07. 06. 2022

TALENTE – MEISTER DER ZUKUNFT 2022: Handwerksgeklapper mit Zukunftsmusik!

Die Sonderschau TALENTE – MEISTER DER ZUKUNFT zeigt im Rahmen der «Handwerk & Design» auf der Internationalen Handwerksmesse 2022 Arbeiten junger Gestalter und Gestalterinnen aus aller Welt. Zu sehen sind Innovationen aus den unterschiedlichsten Gewerken, darunter etwa Textil, Glas, Keramik oder Schmuck. Eine Fachjury wählte aus den rund 600 Bewerbungen insgesamt 96 Teilnehmende aus 30 Ländern aus, darunter China, Korea, Estland, Georgien, Taiwan, Großbritannien und Ukraine. Vom 6. bis 10. Juli 2022 können die internationalen Newcomer ihre Arbeiten nun in Halle B5 einem breiten Publikum präsentieren.


Herausragende Arbeiten von GestalterInnen unter 35 Jahren: Das bietet die Sonderschau TALENTE – MEISTER DER ZUKUNFT. Handwerk ist traditionell stark an Materialien orientiert, für viele junge Gestaltende stehen deshalb Materialuntersuchungen und -erforschungen im Zentrum ihres Tuns: Wie kann ich Dinge anders machen? Welche bisher übersehenen Materialien könnte man verwenden? Was lässt sich recyceln? Wo lässt sich Müll vermeiden? Das sind die Fragen, die junge GestalterInnen im Handwerk heute umtreiben.

Auffallend ist das starke Interesse an einem neuen Umgang mit Kleidung und an nachhaltigen Textilien. Melis Kiran zum Beispiel beschäftigt sich in ihrem Projekt „yeni deri – neues Leder“ mit den Möglichkeiten, ausrangierte Lederbekleidung wiederzuverwenden. Denn auch Leder, ein eher luxuriöser Naturstoff, der für langes Tragen konzipiert wurde, wird immer schneller entsorgt. Melis Kiran verarbeitet die Einweg-Lederbekleidung mit verschiedenen Techniken zu neuen Oberflächen. Größere Zuschnitte werden in Lederstreifen geschnitten und verwebt; kleinere Stücke bilden den Grundstoff für eine Art Pulver, das sich, vermischt mit Biopolymeren und Glyzerin, gießen lässt.

Um die Masse an Kleidungsstücken zu reduzieren, entwickelte die junge Designerin Amit Giladi das Projekt „UniQform“. Was wie gemusterte Stoffbahnen aussieht sind in Wahrheit Schnittmuster für ihre Modeentwürfe: Die Israelin entwarf drei Kleidungs-Sets aus leicht abbaubarer Baumwolle. Die Designs sind unisex und können durch einen Gürtel reguliert werden. Muster und Schnitt wurden zusammen auf Stoffbahnen gedruckt. Sie können herausgetrennt und zu Kleidungsstücken zusammengenäht werden, wobei darauf geachtet wurde, keinen Stoff zu verschwenden. Das Material und die Form, Technik und Gestaltung sind hier aufs engste miteinander verwoben.

Ebenfalls aus Israel kommt die Textildesignerin Shalvah Gottlieb. Sie überzeugte die Jury mit einer Art Hängesessel, zusammengesetzt aus einem Sitzsack und einer hängenden Lehne aus gestricktem Bambus und Gummi. Die dehnbare Lehne umschließt den Ruhesuchenden. Auch an öffentlichen Plätzen wie etwa Bibliotheken kann man sich so in einen persönlichen Schutzraum zurückzuziehen.

Einen völlig neuen Umgang mit Stoffen zeigt Maartje van Dijck aus den Niederlanden. In ihrem Projekt „Play with machines“ legt sie konventionelle Kleidungsstücke so in eine Stickmaschine ein, dass möglichst viele Falten entstehen. Durch das Sticken werden die Falten fixiert. Das Kleidungsstück bekommt ein Volumen und eine ganz neue Silhouette. Manchmal fügt die Designerin noch Stoff hinzu oder arbeitet mit Farbe. Die Industriemaschine fertigt hier ausnahmsweise keine Stangenware, ganz im Gegenteil: Aus einem Massenprodukt wird ein sehr besonderes, individuelles Kleidungsstück, das deshalb vielleicht mehr geschätzt und länger getragen wird.

Völlig neue Gestaltungsideen gepaart mit meisterlicher technischer Qualität bieten auch die jungen Glaskünstler und Glaskünstlerinnen. Der bereits preisgekrönte, derzeit in Dänemark lebende junge Schweizer Jonas Noël Niedermann arbeitet in seinen jüngsten Glasobjekten mit Magnetismus. Er kommt dabei zu Oberflächen, die aus mehreren Ebenen bestehen, wobei die äußeren, andersfarbigen Glasschichten von der inneren Form einerseits angezogen werden, andererseits an ihr zu zerschellen scheinen.
Auch in der Keramik ist die Suche nach neuen Formen sicht- und spürbar. Nadja Kim Schlenker hat mit ihren „Cityscape Vases“ eine Serie von Objekten geschaffen, die zugleich an Architektur, Natur und Gebrauchsgegenstände erinnern: Aus einer eher traditionellen Vasenform an der Basis scheinen kräftige Bambusstämme herauszuwachsen wie Hochhäuser.

Im Möbelbereich ist der Wunsch, Tradition und Moderne zu verbinden ebenso spürbar: Louis Rösner hat für seinen Hocker „Tendo“ Sperrholzplatten gebogen und mit Spanngurten fixiert. Der Hocker lässt sich sehr einfach und schnell aus gerade einmal drei Elementen und ohne weitere Hilfsmittel zusammenbauen. Die flexible Sitzfläche passt sich dem Körper des Sitzenden an und fördert ein gesundes dynamisches Sitzen.

Besonders viele Bewerbungen erreichten die Auswahl-Jury aus dem Bereich Schmuck. Und auch hier spielte das Thema Materialerforschung eine große Rolle: Da wird wiederverwendetes Plastik zu Halsschmuck verhäkelt, aus einem Silikonband mit Stahllamellen entsteht ein beweglicher Armreif und Steine werden mit Metall zu einer Brosche verklebt.

Einmal mehr entpuppt sich die TALENTE – MEISTER DER ZUKUNFT als wahres Füllhorn der Möglichkeiten und Ideen. Eine solche Dichte an kreativen und hochkomplexen Arbeiten junger GestalterInnen kann einen nur hoffnungsfroh in die Zukunft des gestaltenden Handwerks blicken lassen.

Eine Einführung in die Sonderschau findet am zweiten Messetag, 7. Juli 2022, um 13.30 Uhr auf der Bühne der Halle B5 statt. Dort werden am Samstag, 9. Juli 2022, um 16.30 Uhr auch die TALENTE-Preise vergeben.

Träger der Sonderschau TALENTE – MEISTER DER ZUKUNFT ist die Handwerkskammer für München und Oberbayern. Gefördert wird die Ausstellung zudem durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Weitere Informationen zur Messe unter www.ihm-handwerk-design.com.

 

Über die «Handwerk & Design»

Als Teil der Internationalen Handwerksmesse entstand 2008 die «Handwerk & Design». Die Idee dahinter ist, herausragende Leistungen aus Handwerk, Kunsthandwerk und Design unter einem Dach auf der Internationalen Handwerksmesse zu bündeln. Während der Internationalen Handwerksmesse dreht sich in der Halle B5 auf dem Messegelände München alles um den Zusammenschluss aus handwerklichem Können und guter Gestaltung. Die «Handwerk & Design» ist geprägt durch zahlreiche Sonderschauen, wie die EXEMPLA, die SCHMUCK oder die TALENTE – MEISTER DER ZUKUNFT, die von der Handwerkskammer für München und Oberbayern organisiert werden.

 

 


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© Abdruck der Fotos und Grafiken zu redaktionellen Zwecken kostenfrei unter Angabe der Quelle und des Bildnachweises.

  • Melis Kiran: „yeni deri“. Gewebe mit recyceltem Ledergarn. Bildrechte: Melis Kiran
  • „UniQform“: Bedruckte Stoffbahnen mit integriertem Schnittmuster von Amit Giladi. Bildrechte: Danieala Abohav
  • Maartje van Dijck: Oberteil aus der Serie „Play with machines“. Bildrechte: Frijke Coumans
  • Glasobjekte aus der Serie „Magnetics“ von Jonas Noël Niedermann. Bildrechte: Cæciliie Philipa Vibe Pedersen
  • „Cityscape-Vases“ aus Keramik von Nadja Kim Schlenker. Bildrechte: Nadja Kim Schlenker
  • Hocker „Tendo“ von Louis Rösner aus Sperrholz und Spanngurten. Bildrechte: Eva Jünger
  • Sabina Dragusanu: Gehäkelter Halsschmuck aus wiederverwendetem Plastik. Bildrechte: Sabina Dragusanu
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