Die Sonderschau TALENTEmünchen – Meister der Zukunft zeigt Arbeiten junger Gestalterinnen und Gestalter aus aller Welt. Zu sehen sind innovative Objekte und Kunstwerke aus insgesamt 13 Bereichen, von Glas und Metall bis zu Keramik, Textil oder Kunststoff. Aus rund 600 Bewerbungen wählte eine Fachjury 86 Teilnehmende aus 25 Ländern aus, die ihre Arbeiten auf der «Handwerk & Design» zu zeigen. Vom 04. bis 08. März 2026 kann sich das Publikum in Halle B1 ein Bild vom Design der Zukunft machen.
München, 14. Januar 2026 – Herausragende Arbeiten von Gestaltenden unter 35 Jahren: Das bietet die Sonderschau TALENTEmünchen – Meister der Zukunft. Der Wunsch nach neuen Formen und Lösungen im Handwerk kennt keine Grenzen und so kommen die Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Weltgegenden, darunter aus Georgien, Ghana, Israel, Mexiko, den Palästinensischen Autonomiegebieten, der Ukraine oder Venezuela.
Was auffällt in diesem Jahr: Das Bewusstsein der jungen Menschen für alte, teilweise fast ausgestorbene Handwerkstechniken wächst. Federverarbeitung, Emaille, Glasperlen oder Sticken sind nach langer Pause wieder im Kommen. Die Herstellungsverfahren und Gestaltungsvorstellungen werden aber nicht einfach kopiert, sondern analysiert, hinterfragt und weiterentwickelt. Die jungen Menschen halten das Alte lebendig, indem sie es in die eigene Zeit überführen. Kim Jeongyun Hyun etwa bricht mit altbackenen Vorstellungen von der Stickkunst: Sie nutzt zwar klassische Techniken, setzt aber auf knallige Farben und eine zeitgenössische Themenwelt voller Computer, Fast-Food und Warnschilder.
Viele der Gestalterinnen und Gestalter beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit aktuellen politischen Ereignissen, vor allem die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine werden reflektiert. In ihrer Wandarbeit „Dumka – Between Reality and Dream“ kombiniert Katerina Lagoda menschliche Silhouetten aus Stoff mit selbstgestalteten Schutzwesten. Durch das textile Material ausgelöste Assoziationen wie Weichheit, Schutz und Geborgenheit werden durch die Kombination mit (Einschlag)löchern und den verzerrten Körperumrissen zunichte gemacht. Damit reiht sich die Arbeit in eine lange Tradition wichtiger Antikriegsbilder ein.
Auch Nachhaltigkeit und Umweltschutz spielen für die Talente von morgen eine große Rolle. Mit Hilfe von Bakterien und anderen Mikroorganismen werden teilweise ganz neue Materialien entwickelt. Auch Recycling, der Einsatz von Naturmaterialien oder eine lange Nutzungsdauer bieten Alternativen zur mülllastigen Fast Fashion. Manche Designer achten schon im Entwurf darauf, dass die einzelnen Komponenten austauschbar sind und erneuert werden können. Eine andere Strategie ist die Wandelbarkeit von Dingen: Möbel zum Beispiel werden so designt, dass sie sich an veränderte Lebensumstände anpassen lassen und von der Studenten-WG bis zum Familien-Nest sinnvolle Begleiter für ihre Besitzer bleiben. MO:CO Kitchen von Friedrich Kreppel zum Beispiel, ist ein modulares Küchensystem aus Kunststoff und Aluminium, das sich sehr leicht auseinanderbauen und verändern lässt, die Arbeitshöhe ist individuell anpassbar, Unterschränke können zu Regalen aufgetürmt und Arbeitsflächen vollkommen umgestaltet werden.
Für viele junge Gestalterinnen und Gestalter ist auch das soziale Miteinander wichtig, sie kreieren zum Beispiel Hilfen, die Bewegung erleichtern wie beispielsweise eine myoelektrische Handprothese von Leonard Neuberger.
Die Beschäftigung mit sozialen Fragen führt oft auch zur Spurensuche im eigenen Leben: Viele junge Designerinnen, Künstler und Kunsthandwerker erkunden ihre Wurzeln, entwickelt ein Interesse an Traditionen und Sensibilität für kulturelle Unterschiede. Die Omnipräsenz elektronischer Medien scheint zu einer vermehrten Auseinandersetzung mit Erinnerung und Gedächtnis zu führen. Besonders interessant ist hier die Frage, wie Immaterielles in Analoges umgewandelt wird.
Keramik, Glas, Textil, Metall, Holz: Die Arbeiten kommen aus insgesamt 13 verschiedenen Gewerken. Da München als Weltstadt der Schmuckkunst gilt, bewerben sich traditionell auch besonders viele Schmuckkünstler. Spürbar ist hier eine große Lust daran, Materialien aus Alltag oder Technik in den Schmuck zu überführen. Plastiktüten, Beton und Kabelisolierung werden so zum Hingucker am Körper.
Auch die Natur ist ein großer Inspirator. Natürliche Prozesse wie zum Beispiel Verwesung werden als formgebende Kräfte interpretiert. Die Nutzung von Naturmaterialien spiegelt den Wunsch nach Poesie, Ruhe und Friedlichkeit. Vor allem Künstlerinnen und Künstler aus Japan und Korea verwenden Naturmaterialien oft sehr behutsam. Mit der Verbindung von Natur und digitaler Computertechnologie hat sich Joy Chung auseinandergesetzt. Sie hat Echtzeitdaten von Wind mit Hilfe eines Computerprogramms in Muster übersetzt.
Politik, Umweltschutz, Menschlichkeit. Poesie: Die TALENTEmünchen – Meister der Zukunft ist eine erstaunlich vielfältige Schau. Die jungen Gestaltenden sind sehr genau, reflektiert und problembewusst. Eine solche Dichte an anspruchsvollen Arbeiten lässt hoffnungsfroh in die Zukunft des gestaltenden Handwerks blicken.
Die besten Arbeiten werden am Samstag, 07. März 2026, 16.30 Uhr auf der Bühne in Halle B1 mit einem „TALENTEmünchen-Preis“ geehrt. Die Auswahl erfolgt durch eine internationale Fachjury.
Träger der Sonderschau ist die Handwerkskammer für München und Oberbayern. Gefördert wird die Ausstellung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.
Weitere Informationen zur Messe unter www.ihm-handwerk-design.com.